Virtuelle Kommunikation, Online-Handel und Online-Schulung, können den Strassenverkehr entlasten.

Digitaler Verkehr statt noch mehr Strassen

Wer arbeitet oder lernt, fährt. Wer sich in der Schweiz bewegt, nutzt in drei von vier Fällen einen Teil der über 70‘000 Kilometer Strassen. Allerdings sind massive Investitionen notwendig, um den Verkehrskollaps zu verhindern. PolitikerInnen denken dabei an Teer und Beton anstatt an Bits und Bytes.


In den vergangenen Monaten hat sich die Industrie und Handelskammer Zentralschweiz IHZ gleich mehrmals mit drängenden Verkehrsfragen auseinandergesetzt. Egal ob Bundesrätin Leuthard im Luzerner Stau stecken blieb, um nachher an einem Anlass der IHZ über die Strassenfinanzierungsprobleme zu referieren  oder ob sich die IHZ an einem  Dossier der Economiesuisse zur Zukunft der Schweizer Strassen beteiligte  oder ob IHZ-Gäste und -Mitglieder auf dem Pilatus am Zentralschweizer Wirtschaftsforum über Mobilitätslösungen diskutierten  – auffallend ist, dass die Voten und Positionen fast durchwegs zweidimensional ausfallen: Verkehrsprobleme will man mittels Optimierung der Nutzung von Verkehrswegen und Verkehrsmitteln lösen. Mobiles Lernen und Arbeiten wird nur am Rande erwähnt, obwohl es zu radikalen Aenderungen führen wird.

Verkehr – t

So auch mit der Vorlage zur Schaffung eines Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF). Entsprechende Lösungsansätze wie Road-Pricing oder Car-Sharing liegen zwar auf der Hand, allerdings wäre es langfristig vielversprechender sich etwas ausserhalb gewohnter Denkschemen zu begeben und „outside-the-Box“ zu denken. Verkehrsprobleme können auch digital gelöst werden, indem sich die Kommunikation vom phsyischen in den digitalen Raum verschiebt. Dass der Sanierungs- und Ausbaubedarf aufgrund der höheren Verkehrsbelastung wächst, wird nicht einmal in Frage gestellt. Extrapolieren war schon immer die liebste statistische Methode der Einfallslosen.

Virtuelle Vernetzung statt Strassen

Ein grosser Teil des Verkehrs wird generiert, weil sich Leute für Dinge treffen, die sie genausogut dezentral von einem Computer irgendwann, irgendwo erledigen könnten. Das gilt genauso für die Arbeit wie für das Lernen. Wenn 50 % der täglichen Vernetzung virtuell erfolgen würde, dann wären die Strassen wieder halb leer.
Dass ein Buchhalter, welcher Belege in ein Buchhaltungssystem eingibt, in  einem Verkehrsstau seine Zeit vertrödelt anstatt noch ein paar Belege mehr zu erfassen, ist kompletter Unsinn. Rechnungen können heute komplett virtuell erstellt, erfasst, bezahlt und verbucht werden – von jedem Computer in der Welt. Sicher aber muss dafür niemand von Aesch nach Basel oder gar Zürich fahren respektive zwischen diesen Orten im Stau stehen.
Und wenn sich derselbe Buchhalter von Experten über die wesentlichen Veränderungen des neuen Rechnungslegungsgesetztes informieren und schulen lässt, ist es noch einmal dusselig, dafür auch nur einen Kilometer zu fahren und die Strassen zu verstopfen. Das kann heute problemlos online vermittelt und geschult werden.

Kulturwandel

Natürlich erfordert dies ein wesentlicher Kulturwandel. Es müssen, um auf einer qualitativ hohen Ebene miteinander virtuell kommunizieren, lernen und arbeiten zu können, neue Qualifikationen erworben werden. Es muss von alten Gewohnheiten Abschied genommen werden.  Dafür braucht es Investitionen, vom Staat und den Firmen. Allerdings nicht in Teer und Beton.

Autor
Markus Schärli
Über:
Experte für didaktische Unternehmenskommunikation. Er verfügt über langjährige Erfahrung als Journalist (Zeitung, Radio, Fernsehen) als auch als Managing Director einer internationalen Firma in der Unternehmenskommunikation und Gründer des E-Learning Spezialisten rissip. Er ist Dozent für Unternehmenskommunikation an der Hochschule Luzern und Co-Autor des E-Books: „Personal erfolgreich und effizient schulen".
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